Skip to content
 

Grenzen der Mandatsannahme

Immer wieder wird gefragt, nach welchen Kriterien ein Fall übernommen wird. Abgesehen von berufsrechtlichen Aspekten, komme ich genau auf die Antwort des Kollegen Hoenig: “Ich frage mich, ob ich den Fall mit Vollgas verteidigen kann.

Wenn ich diese Aussage etwas verallgemeinere, lautet meine Maxime nur Mandate zu übernehmen, bei denen ich als Anwalt in vollem Umfang die Interessen des Mandanten vertreten kann.

Das heißt nicht, dass ich mich mit meinem Mandanten gemein mache oder alles gut heiße, was der Mandant will. Im Gegenteil, muss ich den Mandaten (gewissermaßen im Innenverhältnis) darauf hinweisen, wo er Unrecht oder überzogene Erwartungen hat. Dafür gibt es haftungsrechtliche Gründe aber mindestens ebenso auch moralische Gründe.

Die Maxime bedeutet aber, dass ich bereit sein muss, nach außen hin für meinen Mandanten um das bestmögliche Ergebnis zu kämpfen. In Ausnahmefällen bedeutet das:  Auch den Freispruch eines schuldigen Mandanten. Auch die Klagabweisung, obwohl der Anspruch besteht. Auch die Verurteilung, obwohl der Anspruch nicht besteht.

Wo ich das nicht kann oder will, muss ich die Finger von dem Mandat lassen.

Es lässt sich nicht immer abstrakt sagen, wo die eigenen Grenzen liegen. Jeder Rechtsanwalt wird seine eigenen Grenzen haben. Sie lassen sich zum Teil benennen (Siehe zum Beispiel hier und hier in den Kommentaren). Zum Teil ist es aber auch Gefühlssache oder eine Kombination verschiedener Faktoren, die sich nur schwer abstrakt formulieren lassen. Das sollten potenzielle Mandanten denn auch respektieren und nicht nur alles aufs Geld schieben.

Kleines Detail am Rande: Die Interessen des Mandanten vertreten können, heißt natürlich auch, über das notwendige Fachwissen für den konkreten Fall zu verfügen oder sich erarbeiten zu können.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, würde es mich freuen, wenn Sie einen Kommentar schreiben oder den Feed abonnieren würden. Kommentar schreiben RSS feed.

JuraBlogs - Die Welt juristischer Blogs

Leave a Reply