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Vergleichsverhandlungen als Kuschelkurs?

Das Thema Vergleich ist ja gegenwärtig etwas in Mode gekommen in der juristischen Blogosphäre.

Der Kollege Nebgen wünscht sich mehr Krieg anstelle von Vergleichsverhandlungen. Meiner Auffassung nach handelt es sich bei Vergleichsverhandlungen durchaus um Krieg. Nette Worte, Palaver, wenn es not tut auch ein Kaffeekränzchen sind Mittel zum Zweck, nämlich für den eigenen Mandanten das Maximum herausholen. Da kann es hilfreich sein, wenn Verfahrenskosten niedrig gehalten werden, weil es die Verteilungsmasse erhöht.

Nebenbei: Mir ist es eigentlich das liebste, wenn meine Mandanten in der Verhandlung eher schweigsam sind. Emotionen und Lebensgeschichte gehören nur selten in den Prozess und von den Fakten nur die sachdienlichen. Wenn die Gegenseite das ausnahmsweise mal ähnlich sieht, lassen sich zielgerichtet die Argumente austauschen und die Erfolgsaussichten und Optionen abwägen. Am Ende kann ein Vergleichsschluss sogar in Fällen gelingen, wo es normalerweise eher unwahrscheinlich ist.

AnotherOne stellt zu den Erfolgsaussichten von Vergleichsverhandlungen Überlegungen an, denen ich absolut zustimme. Die von ihm zitierte Redewendung schlechtem Geld kein Gutes hinterherzuwerfen wird leider viel zu oft missachtet. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass es für das zugrundeliegende Konzept der verlorenen Kosten keinen nur einen kurzen (deutschen) Wikipedia-Eintrag gibt, der unter einem fragwürdigen Stichwort steht (sunk costs – mehr dazu auf englisch: sunk costs).

Die Kollegin Braun vermisst straffe Verhandlungsführung im Zivilprozess, wobei ich vermute, dass sich das auch auf die Güteverhandlung bezieht. Schon bei Richter Ballmann (er ruhe in Frieden) war ich der Auffassung, dass mehr Entschlusskraft des Richters viele Prozesse vereinfachen könnte. Beweise nur erheben, wenn es sich wirklich um streitiges Vorbringen handelt, das für die Entscheidung des Rechtsstreits relevant ist, ist leider zu oft in Vergessenheit geraten. In der Güteverhandlung sind halbwegs gut vorbereitete Richter, die mit klaren Hinweisen die Richtung vorgeben können, ein Riesengewinn aber eben auch von der Häufigkeit her wie ein Sechser im Lotto.

Mein Verständnis einer ordentlichen Güteverhandlung ist: Der Krieg hat begonnen. Es werden noch ein letztes Mal die Waffen gezeigt. Beide Seiten können abschätzen, wie blutig (teuer) es wird und schauen, ob es eine für alle Seiten bessere Lösung als die Schlacht gibt. Falls ja bleibt es friedlich …

Siehe auch: Zitate – Si vis pacem, para bellum! und Zitate – “Gehe niemals vor Gericht, um Rache zu nehmen, …

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